Dienstag, 1. September 2026

Misterioso Jazz Club

CD-Taufe „bijou“
Relative Pitch Records 2026

Florian Stoffner solo
Florian Stoffner (g)

Flo Stoffner ist unverwechselbar und einzigartig in seiner Art, Gitarre zu spielen. Eine Dekonstruktion des Gitarrenspiels, die als „eine Art Autopsie des Gitarrensounds“ bezeichnet wurde. Solo oder in Zusammenarbeit mit Musikern wie Paul Lovens, Rudi Mahall, John Butcher, Chris Corsano, Albert Cirera, Vasco Trilla oder Hans Koch, aber auch der Spoken-Word-Künstlerin Anna Frey, ist er zu einer der herausragenden Figuren der europäischen Improvisationsszene geworden. Ebenso vorausschauend wie rückwärtsgewandt hält er die Fahne des Instant Composing hoch und beweist immer wieder, wie lebendig, überraschend und aktuell die Tradition der freien Improvisation heute ist.

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Tierra en trance
Colectivo Los Ingrávidos (MX 2022, 38 min)

Jamira Estrada
Jamira Estrada (elec)

Das sind die tanzenden Körper in aufgeregter Ekstase: Vorspiel zur Trance, Anrufung der Götter, Weihe der Unbeständigkeit. Hier funkelt unser Blickwinkel unter dem Bann und der Trance der versammelten, gefallenen, nachgebenden, regnerischen Dinge, des mesoamerikanischen Windes, des Atems der Göttin, der Brise aus Stöcken, der perkussiven Hölzer. Die hypnotische Collage „Tierra en Trance“ des nie genug gelobten mexikanischen «Colectivo Los Ingrávidos» lotet sensorische Grenzen aus und verknüpft Rituale, sozialen Kampf und Erinnerung miteinander.

Vertont wird der rasant geschnittene Experimentalfilm von der schweizerisch-mexikanischen elektroakustischen Komponistin und Live-Elektronikerin Jamira Estrada. Ihr Debütalbum „HUM“ (2024, czarnagora) dreht sich um Drone, Noise und elektroakustische Musik und schafft eine komplexe und intime Erzählung, in der die Körperlichkeit des Instruments greifbar wird und ätherische Stimmen in einer rohen, taktilen Präsenz verankert werden.

Türe 20 Uhr  |  Programm 20:30 Uhr

Dienstag, 8. September 2026

Misterioso Jazz Club

We Are Old
Elio Amberg (as), Xaver Rüegg (b) & Paul Amereller (dr)

Dieses Trio bewegt sich an der Schnittstelle von komplexen rhythmischen Strukturen und destillierten musikalischen Ideen bewegt. Der Altsaxophonist Elio Amberg, der Kontrabassist Xaver Rüegg und der Schlagzeuger Paul Amereller arbeiten seit über fünf Jahren zusammen und haben in dieser Zeit einen präzisen, dynamischen und klar wiedererkennbaren Bandsound entwickelt.

Ihre Musik bewegt sich fliessend zwischen komponiertem Material und Improvisation, geprägt von Repetition, Abstraktion und einem starken, energetischen Puls. Form und Intention stehen im Mittelpunkt, während die Musik gleichzeitig offen, flexibel und im Moment lebendig bleibt. Die Präzision und physische Greifbarkeit der Klänge im ihrem Zusammenspiel erzeugt einen Sog, welcher Musik von we are old Dringlichkeit und Klarheit gibt.

Türe 20 Uhr  |  Programm 20:30 Uhr

Dienstag, 15. September 2026

Misterioso Jazz Club

Protéa
Victorin-Hippolyte Jasset (FR 1913, 50 min)

Meklin Nicolai Weiss
Anna-Kaisa Meklin (vga), Giancarlo Nicolai (laud) & Sandra Weiss (bsn, as)

Proteus, der Sohn Poseidons in der griechischen Mythologie, besass die doppelte Gabe, die Zukunft vorherzusagen und seine Gestalt nach Belieben zu verändern. Als würdige Erbin ist Protéa eine dimorphe Heldin, eine Vorreiterin des Cross-Dressings, Königin der Verwandlungskunst und des augenblicklichen Wandels. In der Zeit der ersten Schritte der siebten Kunst spielt Victorin Jasset mit Protéa eine Rolle als Vermittler zwischen dem „gedruckten Kino“ (den Fortsetzungsromanen) und dem Kino in Bewegung. Doch – im Gegensatz zu anderen Werken jener Zeit – verdankt Protéa der Literatur nichts und begründet einen eigenständigen filmischen Mythos, eine Figur, die aus dem Kino geboren wurde und für das Kino bestimmt ist. Von da an prophezeit Protéa unter anderem die Zukunft eines Genres im Kino: den Spionagefilm. Um im Register der Superheldinnen zu bleiben: Es gibt eine direkte Linie von Protéa (Josette Andriot) zu Black Widow (Scarlett Johansson).

Vertont wird der Film vom Trio Meklin Nicolai Weiss, das improvisierte Musik mit Einflüssen aus Jazz, Alter Musik, Klassik und Neuer Musik verbindet. Die aussergewöhnliche Besetzung mit Viola da Gamba, Laute, Fagott und Saxofon erzeugt einen organischen, vielschichtigen Klangraum, in dem die Erforschung von Klang und Resonanz im Zentrum steht. Die drei Holzinstrumente – gewachsen aus jahrhundertealten Bäumen – treffen auf das Saxofon als transformiertes Naturmaterial. So entsteht ein musikalischer Dialog zwischen Holz, Metall, Atem und Raum.

Türe 20 Uhr  |  Programm 20:30 Uhr

Dienstag, 22. September 2026

Misterioso Jazz Club

Plattentaufe „Ondanaconda“
Les Disques Bongo Joe 2026

Ondanaconda
Laurent Bruttin (mouth harp), John Menoud (mouth harp), Daniel Zea (mouth harp) & Antoine Läng (mouth harp)

Ondanaconda komponiert nicht mit der Maultrommel, sondern durch sie. Für ihr selbstbetiteltes Debütalbum macht das Quartett dieses oft als archaisch empfundene Lamellophon zur einzigen Klangquelle der Platte. Die Maultrommel, die seit Jahrhunderten auf allen Kontinenten von Asien bis Europa zu finden ist, wird an den Zähnen gespielt, wobei der Mund als Resonanzraum dient und der Klang durch Atem und Körperbewegungen geformt wird. Hier, verstärkt, präpariert und manchmal bis an ihre Grenzen getrieben, wird sie zu Percussion, Bass, Drone und Textur – ein wahrer Mundsynthesizer mit unermesslichen Möglichkeiten.

Zwischen Performance und Trance erschafft Ondanaconda ein nicht identifizierbares Klangobjekt, irgendwo zwischen kollektivem Ritual und rohem elektroakustischem Experiment. Jedes Stück entsteht aus spezifischen Instrumentenkombinationen, die klangliche Affinitäten und rhythmische oder harmonische Potenziale ausloten, dabei aber Raum für Abdriften und Improvisation lassen. Wiederholung fungiert als instabiler Motor, der Muster verbiegt, bis sie sich in etwas anderes verwandeln.

Gemeinsam weben Laurent Bruttin, Antoine Läng, John Menoud und Daniel Zea eine dichte, sich wandelnde Masse, in der sich einzelne Stimmen in einer organischen, fast halluzinatorischen Polyphonie auflösen. Als Kontinuum konzipiert, entfaltet sich das Album als hypnotischer Fluss, als physische und immersive Musik, die sich vom Mund zum Körper bewegt und den umgebenden Raum durchdringt. Ein radikales UFO an der Schnittstelle von Konzert, Performance und Klanginstallation.

Türe 20 Uhr  |  Programm 20:30 Uhr

Dienstag, 29. September 2026

Misterioso Jazz Club

Albumtaufe „Secreto desorden de los sentidos“
Buh Records 2026

Gamboa-Pellicci
Ana Gamboa (vcl) & Constanza Pellicci (voc)

Die Cellistin Ana Gamboa aus Ecuador und die Sängerin Constanza Pellicci aus Argentinien widmen sich der gemeinsamen freien Improvisation unter Einsatz akustischer und erweiterter Spieltechniken. Ihre Arbeit setzt sich mit Zuständen der Spannung und des Schwebens auseinander und erforscht dabei fragile Klangmaterialien, Resonanzen, Verschiebungen und minimale Gesten, die durch kompositorisches Gespür allmählich Gestalt annehmen. Ihre klangliche Praxis entspringt der Bewegung und ist tief in ihren persönlichen Erfahrungen mit Reisen und Migration verwurzelt. Als wandernde Künstlerinnen finden sie im Zuhören einen Weg, sich zu orientieren, in der Improvisation ein Mittel zur Anpassung und im Klang ein Material, durch das sie neue Beziehungen gestalten können.

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Albumtaufe „Translúcidas Criaturas Pulsantes“
Relative Pitch Records 2026

Kaplan-Valencia
Leonel Kaplan (tr) & María A. Valencia (as, cl)

Das Duo Kaplan-Valencia vereint zwei unverwechselbare Stimmen der internationalen Free-Improvisation-Szene: die Kolumbianerin María A. Valencia und den Argentinier Leonel Kaplan. Auf der Grundlage jahrzehntelanger gemeinsamer Erfahrungen in Lateinamerika, Europa und den Vereinigten Staaten schafft das Duo eine Live-Performance, die auf spontaner Interaktion, erweiterten Spieltechniken und einem gemeinsamen Gespür für Klangtextur, Atem und Stille basiert. Ihre Musik bewegt sich zwischen zerbrechlichen, durchscheinenden Klangflächen und Momenten dichter Intensität und lotet dabei im Dialog die akustischen Möglichkeiten ihrer Blasinstrumente aus. Anstatt einer festen Partitur zu folgen, entfaltet sich die Performance in Echtzeit, sodass der Raum und der Moment das Ergebnis prägen können.

Türe 20 Uhr  |  Programm 20:30 Uhr

Dienstag, 6. Oktober 2026

Misterioso Jazz Club

Plattentaufe „Aerodynamics“
Ni Vu Ni Connu 2025

The Evil of Banality (clarinet quartet)
Kai Fagaschinski solo (cl)

Für die Live-Präsentation seines neuen Doppelalbums hat Kai Fagaschinski ein völlig neues Stück komponiert, ein Klarinettenquartett mit dem Titel „The Evil of Banality“: Im Misterioso Jazz Club wird er dieses allein mit einer Vier-Lautsprecher-Anlage aufführen, wobei voraufgenommene Tracks auf sein Live-Klarinettenspiel treffen. Ein umgestülptes Quartett, ein umkreisender Schwarm, eine Choreografie im Synchronschwimmen. Durch die räumliche Ausbreitung dieser vielschichtigen musikalischen Einheit – die vier Klangquellen spielen aus den vier Ecken des Raumes – entsteht ein klareres und transparenteres Erlebnis der Beziehungen und Bewegungen von Klängen zueinander, miteinander und gegeneinander durch den Raum.

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Plattentaufe „Breath Vessels“
Ni Vu Ni Connu 2025

Transposable Thumbs
Liz Allbee solo (quad tr, DIY)

Liz Allbees neues Album ist ein Versuch, eine Art spekulative Folk Music zu schaffen – eine Musik, die in ihrer Weitergabe, in ihren Resonanzen und Nachhallen sowohl durch als auch mit den Menschen lebendig wird. Keine nationalistische Art von Folk, auch keine nostalgische, sondern eine Vorstellung davon, wie Kollektivität irgendwann in der Zukunft klingen könnte: ein Orchester zukünftiger Seelen, ohne Dirigent, sondern mit einem gemeinsamen Funken, einem Atemzug zwischen ihnen: elektrisch leitende Gemeinschaft für den Fall, dass der Strom ausfällt. Klingende Objekte, gebaut mit Körpern und für sie – mit allen möglichen Resonanzen zwischen ihnen –, realisiert aus den übrig gebliebenen Materialien, Ruinen, Erinnerungen und Abfällen von uns selbst in der Welt.

Türe 20 Uhr  |  Programm 20:30 Uhr

Dienstag, 20. Oktober 2026

Misterioso Jazz Club

Schall und Auch
Nadine Schneider (voc), Sylwia Zytynska (perc, vib, voc) & Manuela Keller (p)

Das Trio mit der Pianistin Manuela Keller, der Perkussionistin und Vibraphonistin Sylwia Zytynska und der Lyrik-Performerin Nadine Schneider hält grosse Stücke auf den Augenblick. Ihre «Partitur» aus Gedichten, Sounds und Rhythmen schreiben die drei Improvisatorinnen in Jetztzeit. Während Keller und Zytynska auf ihren reichen musikalischen Fundus zurückgreifen, bedient sich Schneider ihres grossen Repertoires an Gedichten – von der Antike bis in die Gegenwart. Im Zusammenspiel entwickeln sie ein musikalisches Gespräch, ein lyrisches Bild, ein Gewebe aus Tönen und Lauten, Rhythmen und Lines, Sounds und Textzeilen. Ob Zeilen von Empedokles, Hölderlin, Lasker-Schüler, Mayröcker oder von anderen Lyriker:innen einen Auftritt haben, ergibt sich allein aus dem augenblicklichen Spiel von «Schall und Auch».

Türe 20 Uhr  |  Programm 20:30 Uhr

Dienstag, 27. Oktober 2026

Misterioso Jazz Club

Toot
Axel Dörner (tr), Thomas Lehn (synth) & Phil Minton (voc)

Im seit 1998 bestehenden Trio Toot treffen mit der unnachahmlichen Stimme Phil Mintons, dem analogen Synthesizer Thomas Lehns und der Trompete Axel Dörners drei der gefragtesten Musiker im Bereich der zeitgenössischen Improvisation aufeinander. Fast unhörbare Musik atmet durch die in Echtzeit komponierten Texturen: Luft strömt aus einer Trompete, ohne einen Ton zu bilden, und aus einem Mund, der selbst zirpende, stöhnende, zischende, heulende und blubbernde Geräusche von sich gibt. Minton, das Wunder der Stimme, kann jedes Geräusch seiner Kollegen imitieren, auch die 20-Hz-Töne und andere Klangsubstanzen von Lehns analogem Synthesizer, dessen elektronische Klänge den Widerspruch zwischen Technologie und Natur überbrücken.

Türe 20 Uhr  |  Programm 20:30 Uhr

Dienstag, 3. November 2026

Misterioso Jazz Club

Plattentaufe “Faint Light Blackens”
Psychic Liberation

Henrik Munkeby Nørstebø solo
Henrik Munkeby Nørstebø (pos, elec)

Auf seinem vierten Soloalbum und Debütwerk für das Label Psychic Liberation präsentiert Henrik Munkeby Nørstebø „Faint Light Blackens“ – eine Auseinandersetzung, in der die fragmentierte Instrumentierung der Solo-Posaune zu einer „full range wall of sound“ ausgebaut wird, verteilt auf die prägnante Ausdehnung von sieben eigenständigen Sätzen auf beiden Seiten einer Schallplatte. Die sieben Akte, aus denen das Album besteht, wurden speziell für die Aufnahme in Emanuel Vigelands „Tomba Emmanuelle“ (Oslo) entwickelt. Das Fresko im Mausoleum verankert Themen von existenzieller Tragweite, reich an bedeutungsschweren Bildern von Liebe, Geburt und Tod. Der feierliche Raum ist ein hallendes akustisches Terrain, in dem es aufgrund der nachhallenden Träumerei fast unmöglich ist, laut zu sprechen, geschweige denn durch Horn und Elektronik zu singen. Die Weite dieses Raumes prägt die kompositorischen Ansätze, die auf „Faint Light Blackens“ zum Einsatz kommen.

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Audrey Chen / Philipp Eden / Joaquin Ortega
Audrey Chen (voc), Philipp Eden (elec) & Joaquin Ortega (g)

Audrey Chen, Philipp Eden und Joaquin Ortega haben eine Art entwickelt, Musik zu machen, die roh, körperlich und äusserst fesselnd ist. Ihre Musik bewegt sich zwischen dichten, lauten Klangwänden und ruhigen Passagen der Reflexion, geprägt von aufmerksamem Zuhören, präzisen Klängen und Risikobereitschaft. Stimme, Elektronik und Gitarre treffen auf unvorhersehbare und stets überraschende Weise aufeinander. Bei jedem Auftritt wollen sie einen immersiven Raum schaffen, in dem die Grenze zwischen ihnen und dem Publikum verschwindet. Über eine im Juni 2025 in Zagreb im Rahmen der Reihe «Impromondays» gemachte Aufnahme des Trios schreibt Daniel Spicer in The Wire:

“There are times during this 26-minute live performance when Audrey Chen sounds exactly like she’s channelling the dry, insectoid language of the xenomorphs from the Alien movies. It’s just one of a dizzying plethora of sounds the Chinese/Taiwanese-American vocal improvisor is able to summon from lungs, larynx and mouth. She sighs, clicks, slurps, chatters, whoops, wails and moans, flicking from one idea to the next with synaptic speed even sometimes seeming to be speaking backwards or with two voices simultaneously. Meanwhile Argentinian guitarist Joaquin Ortega and Basel based electronicist Philipp Eden provide a constant undertow of juddering machine roars and lumbering krang. It’s like floating past a series of unsettling tableaux designed by Hieronymus Bosch.”

Türe 20 Uhr  |  Programm 20:30 Uhr

Dienstag, 10. November 2026

Misterioso Jazz Club

Gallio-Lash-Sanders
Christoph Gallio (as, ss, c-mel), Dominic Lash (b) & Mark Sanders (dr, perc)

Gallios neues Trio mit den britischen Improvisatoren Dominic Lash und Mark Sanders spielt eine eindringliche, kraftvolle Musik an der Schnittstelle zwischen Free Jazz und freier Improvisation und regt dazu an, die rhythmischen Komplexitäten und Feinheiten des Free Jazz neu zu betrachten, der nach fast sechzig Jahren Entwicklung mittlerweile vielleicht als „gängige Praxis“ gelten kann.

Das Album „Live At Cafe Oto London“ (Hat Hut Records 2024) erkundet wechselnde Dynamiken, die von klappernder, fragmentierter Energie bis hin zu ruhigen, stabilen Stimmungen reichen. Die Setlist umfasst zwei kollektive Stücke, in denen Gallio auf Alt-, Sopran- und C-Melody-Saxophon die Führung übernimmt, während Lash und Sanders rhythmische Erkundungen vornehmen. Das Album fängt die unvorhersehbare Spannung und die kollektive Kraft des Londoner Veranstaltungsortes auf wunderschöne Weise ein.

Türe 20 Uhr  |  Programm 20:30 Uhr

Dienstag, 17. November 2026

Misterioso Jazz Club

“Suga Kanno: Poems of Resistance”
Atsuko Kamura (voc, b, elec) & Tim Hodgkinson (lap steel g, cl, b, elec)

Suga Kanno war eine japanische Journalistin, Schriftstellerin, Sozialistin und Feministin, die 1911 wegen eines Komplotts zur Ermordung des japanischen Kaisers inhaftiert und anschliessend hingerichtet wurde. Sie war 29 Jahre alt und eine beeindruckende Dichterin. Ausserdem verfasste sie schonungslos präzise Prosa, in der sie die Dummheit und Arroganz der Männer beschrieb. Ihre Gedichte sind von einem unerschütterlichen revolutionären Geist durchdrungen, aber gleichzeitig zutiefst sensibel und sogar offen für komplexe und ungelöste Dinge, von denen man erwarten würde, dass sie durch Disziplin ausgeblendet würden.

Atsuko Kamura, Sängerin von Kamura Obscura, begann ihre Karriere als Sängerin und Bassistin von Mizutama Shobodan (Polka Dot Fire Brigade), japanischen Agitprop-Feministinnen und Punk-Pionierinnen, deren zweites Album in den 1980er Jahren von Fred Frith produziert wurde. Nach ihrer Ankunft in Grossbritannien schloss sie sich Frank Chickens an. Seit langem beschäftigt sie sich mit Vokalimprovisation, zunächst bei Honeymoons in Japan, dann mit vielen Musikern in Grossbritannien wie Eddie Prevost, Charles Hayward und Sharon Gal. Gleichzeitig reicht ihr Repertoire als Sängerin von traditioneller japanischer Volksmusik bis hin zu öko-surrealistischen Chansons. In ihren jüngsten Arbeiten beschäftigt sie sich mit experimenteller Komposition und kombiniert avantgardistische Vokalelektronik mit Improvisation.

Mit Kompositionen, die auf internationalen Festivals wie Tectonics, Huddersfield, Spectrum XXI, Nordlyd und Ars Musica zu hören waren, und zwei Werksammlungen für Ensemble, die beim Label Mode erschienen sind, engagiert sich Tim Hodgkinson auch intensiv für eine kraftvolle und energiegeladene Aufführungspraxis. Seit über fünfzig Jahren beteiligt er sich an einer Reihe wegweisender Projekte, sei es als Mitbegründer der bahnbrechenden Gruppe Henry Cow, als Saxophonist der einflussreichen Avantgarde-Metal-Band God oder als Bassklarinettensolist in den spektralen Kompositionen von Iancu Dumitrescu. Sein Lap-Steel-Gitarrenspiel bleibt völlig unkategorisierbar und bringt gedämpfte und weniger gedämpfte Anklänge an Rockmusik und andere Ethnien mit sich.

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sOnic alchemy feat. Natalie Peters
Sofia Borges (dr, perc, elec), Klaus Janek (b, elec) & Natalie Peters (voc)

sOnic alchemy ist das elektroakustische Improvisationsprojekt von Sofia Borges und Klaus Janek. Beide sind seit vielen Jahren prägende Akteur:innen der Berliner Echtzeitmusikszene und bewegen sich souverän zwischen akustischer Klangforschung und elektronischer Prozessierung, zwischen strukturellem Bewusstsein und spontaner Formfindung. Sofia Borges ist eine äusserst vielseitige und gefragte Schlagzeugerin, die in zahlreichen interdisziplinären Projekten mitwirkt – zwischen Neuer Musik, Performance, Installation und Improvisation. Klaus Janek ist ein erfahrener Improvisator mit starkem Fokus auf elektroakustische Transformation und konzeptionelle Tiefe – sein Spiel auf dem prozessierten Kontrabass verbindet Detailgenauigkeit mit Weite.

Im Herbst 2024 traf das Duo im Rahmen eines Konzerts in Locarno erstmals auf die Stimmkünstlerin Natalie Peters. Aus dieser Begegnung entstand eine intensive Zusammenarbeit, die zu einer Aufnahme im MorphinRaum Berlin führte. Peters’ Stimme erweitert das elektroakustische Gefüge von sOnic alchemy um eine klanglich wie performativ eigenständige Dimension – mit Präsenz, Präzision und der Fähigkeit, das Unvorhersehbare hörbar zu machen. Für die Release-Tournee 2026 tritt Natalie Peters als Gastmusikerin dem Kernprojekt bei. Die daraus entstehende Triokonstellation lädt ein zu einem konzentrierten Hörerlebnis zwischen Fragilität und Verdichtung, zwischen experimenteller Tiefe und poetischer Offenheit.

Türe 20 Uhr  |  Programm 20:30 Uhr

Dienstag, 24. November 2026

Misterioso Jazz Club

Demierre/Erb/Lonberg-Holm
Jacques Demierre (p), Christoph Erb (ts, ss) & Fred Lonberg-Holm (vcl, elec)

Das neu formierte Trio mit Jacques Demierre, Christoph Erb und Fred Lonberg-Holm vereint drei spannende Stimmen der improvisierten Musik. In dieser Konstellation treffen unterschiedliche musikalische Hintergründe und ästhetische Ansätze aufeinander und verschmelzen zu einem dichten, vielschichtigen Klangkörper. Eine besondere Verbindung besteht bereits zwischen Erb und Lonberg-Holm, die im Duo Screw & Straw seit vielen Jahren zusammenarbeiten. Diese gewachsene Interaktion bildet eine spannende Grundlage für die Erweiterung zu diesem Trio, für kompromisslose Improvisation steht.

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Albumtaufe „People Do Strange Things“
Boomslang Records 2026

Two Dogs
Beat Keller (g, voc) & Joke Lanz (turntables, voc)

Es wird behauptet, Gitarren-Multitasker Beat Keller und Extrem-Turntabelist Joke Lanz wären zwei Schweizer mit einem Koffer in Berlin. Doch das ist nur eine geschickte Tarnung. In Wirklichkeit sind sie zwei Ausserirdische, die sich hin und wieder einen Abstecher auf den Planeten Erde gönnen. Da mischen sich zwei Intergalakten, die noch nie mit Erd-Musik in Berührung gekommen sind, unter die kunst- und kulturbeflissene Menschheit, lauschen dieser die Maximen ihrer Klangkunst ab und versuchen nun ihrerseits von allen Vorurteilen, Kategorien und Hierarchien befreit alles, was ihnen unter die Ohren gekommen ist, in einen Topf zu werfen. Das Ergebnis führt nun auf einen Schlag all jenes ad absurdum, was wir bislang über Musik zu wissen glaubten.

Im New Yorker No-Wave der späten siebziger, frühen achtziger Jahre nannte man ähnliche Ansätze um Arto Lindsay, James Chance oder Christian Marclay mangels Alternativen Fake Jazz, doch diese Erdlinge waren ja auch nur in ihren terrestrischen Limits gefangen. Ganz anders TWO DOGS. „People Do Strange Things“ ist nicht einfach nur ein Fake, es ist der Fake eines Fakes eines Fakes eines Fakes und immer so weiter, und damit die genialste und genuinste Schöpfung, die in zehntausend Jahren Musik je hervorgebracht wurde. Nicht mehr und ganz bestimmt nicht weniger. (Wolf Kampmann)

Türe 20 Uhr  |  Programm 20:30 Uhr

Dienstag, 15. Dezember 2026

Misterioso Jazz Club

Creaziun 2
Mit Kompositionen von Jürg Frey, Jacques Demierre, Lucas Niggli & Asia Ahmetjanova

Slide Ensemble
Gemma Galeano (as), Ferran Gorrea (as), Frantz Loriot (vla), Diego Kohn (vla, elec) & Lukas Mantel (dr)

Nach der erfolgreichen ersten Ausgabe im Jahr 2022 kehrt Creaziun mit einer neuen Edition zurück. Im Zentrum des Projekts steht die Begegnung zwischen Komposition und Improvisation: Vier profilierte Stimmen der Schweizer Musikszene – Jürg Frey, Jacques Demierre, Lucas Niggli und Asia Ahmetjanova – wurden eingeladen, neue Werke für das Slide Ensemble zu komponieren.

Die Besonderheit von Creaziun liegt im Entstehungsprozess. Über mehrere Monate arbeiten Komponist*innen und Musiker*innen in einem intensiven Co-Kreationsprozess zusammen, entwickeln Ideen, erproben musikalische Möglichkeiten und lassen die Grenzen zwischen Komposition und Improvisation bewusst offen. Die Werke entstehen nicht isoliert am Schreibtisch, sondern im kontinuierlichen Dialog zwischen den beteiligten Künstler*innen.

Das Konzert bildet den Höhepunkt dieses gemeinsamen Prozesses und präsentiert die Uraufführungen aller vier Kompositionen. Jedes Werk eröffnet eine eigene Perspektive auf das Verhältnis von Notation, Improvisation und kollektiver Kreativität und macht den individuellen künstlerischen Dialog zwischen Komponist*innen und Ensemble unmittelbar hörbar.

Türe 20 Uhr  |  Programm 20:30 Uhr