Vergangene Events 2026

Dienstag, 17. Februar 2026

Misterioso Jazz Club

The Exquisite Thief
Tod Browning (US 1919, 11 min, Fragment)

Vicenta
Musidora (FR 1920, 19 min, Fragment)

Chôkon
Daisuke Itô (JP 1926, 14 min, Fragment)

Ephemeral Fragments
Korhan Erel (elec), Emily Wittbrodt (vcl) & Florian Walter (tubax)

Selbst der wahrscheinlich bekannteste aller Stummfilme, nämlich Fritz Langs «Metropolis», war bis vor wenigen Jahren nur als Fragment erhalten geblieben. Als 2008 in Buenos Aires 25 zusätzliche Minuten Film gefunden wurden, galt dies – auch wenn es sich «nur» um eine eher schlecht erhaltene 16mm-Kopie handelte – zurecht als Sensation. Nahezu unbekannt ist der Umstand, dass nicht nur der allergrösste Teil des Stummfilmerbes für immer verloren ist, sondern dass unzählige Filme lediglich fragmentarisch erhalten sind. Nicht zuletzt auch solche von namhaften Regisseurinnen und Regisseuren. Wir zeigen drei solche Fragmente von Filmen des nie genug gelobten Tod Browning, der die Surrealisten in Ekstase treibenden Musidora und des für die Entwicklung des Samurai-Films zentralen Daisuke Itô.

Vertont werden die Filmfragmente von Ephemeral Fragments, das Improvisationstrio mit Florian Walter am Tubax, Emily Wittbrodt am Cello und Korhan Erel an der Elektronik. Ihre Musik zeichnet sich durch eine enorme Dichte an Texturen und Klangtiefe aus, ohne sich zu weit von einem soliden Gefühl der Kontrolle und Reduktion zu entfernen: “Da braut sich mit atmosphärischer Dichte so Einiges zusammen in hybriden Farbmischungen, feinen Geräuschnuancen und melodischen Restbeständen zwischen Unruhe und Kontemplation, versehen mit einem gehörigen Quantum Melancholie.” (neue musikzeitung)

Türe 20 Uhr  |  Programm 20:30 Uhr

Dienstag, 10. Februar 2026

Misterioso Jazz Club

A Sixth Part of the World
Dziga Vertov (UdSSR 1926, 84 min)

MIYAMELO
Miya (fl, DIY elec) & Melo (fl, DIY elec)

Der aufwändige von über zehn Kameraleuten in allen Ecken der Sowjetunion gedrehte Film wurde auf Anhieb für seine lyrischen Qualitäten gepriesen und als monumentales Gedicht über die Erde, als grandioses Lied und als Symphonie der Fakten beschrieben. Sowjetische Hardliner andererseits wiesen auf ideologische Mängel hin aufgrund der relativen Abwesenheit der Arbeiterklasse und einer Betonung der Ethnografie auf Kosten der Industrie. Die zentrale These des Films lautet aber, dass die Überschussproduktion einfacher lokaler Güter notwendig ist, um im Ausland schwere Maschinen, darunter „Maschinen, die Maschinen herstellen“, zu erwerben. So können auch abgelegene Völker am Rande der sowjetischen Gesellschaft am Aufbau und an der Modernisierung der sowjetischen Wirtschaft teilhaben. Die geografische Beweglichkeit spiegelt sich dabei in Vertovs Verwendung von Überblendungen und Split-Screens wider, Techniken, die er in «Der Mann mit der Kamera» (1929), seinem unbestrittenen Meisterwerk, radikalisieren wird.

Vertont wird dieser bildgewaltige Experimentalfilm von MIYAMELO, einem elektroakustischen Duo aus Zürich und Tokio an erweiterten Flöten und selbstgebauten Improvisationsmaschinen. Im Mittelpunkt steht die Improvisationsmaschine, eine eigenständige musikalische Einheit mit eigener Handlungsfähigkeit, die aus Software und Hardware besteht und über Sensoren, Algorithmen und den Atemfluss der Interpretin einen Dialog mit deren Verhalten herstellt. Jede Maschine schafft einen Spiegel, der die Tendenzen ihres menschlichen Schöpfers widerspiegelt und ihn gleichzeitig dazu drängt, ausserhalb seiner Komfortzone zu spielen. Wenn zwei solche Spiegelsysteme aus unterschiedlichen Universen aufeinandertreffen, entstehen durch die Interaktionen exponentiell neue Formen des Musizierens. Oder in Norihiro Ukawas Worten: „MIYAMELO’s performance is like listening to a conversation between two almost extinct birds who have found each other for the first time in the digital era.“

Türe 20 Uhr  |  Programm 20:30 Uhr

Dienstag, 3. Februar 2026

Misterioso Jazz Club

ErikM & Gaudenz Badrutt
ErikM (elec) & Gaudenz Badrutt (elec)

ErikM & Gaudenz Badrutt bilden ein seltenes und prägnantes Duo an der Schnittstelle zwischen experimenteller Elektronik und elektroakustischer Improvisation. Ihre Zusammenarbeit erkundet Reibungszonen zwischen Live-Sampling, elektronischen Systemen und klangbasierter Performativität und webt einen dichten und unmittelbaren Dialog, der auf Geräuschtexturen, spannungsgeladenen Phasen der Stille und unerwarteten klanglichen Ereignissen basiert.

Gaudenz Badrutt vertritt einen minimalistischen und detailreichen Ansatz für Echtzeit-Elektronik. ErikM beschäftigt sich mit hybriden elektronischen Setups in einer sehr physischen und engagierten Manipulation von Klang. Zusammen schaffen sie einen fliessenden Hörraum, angetrieben von einem nicht-hierarchischen Dialog, in dem jede elektronische Geste zu lebendiger Materie wird – schwebend zwischen Spannung und Entstehen.

Türe 20 Uhr  |  Programm 20:30 Uhr

Dienstag, 27. Januar 2026

Misterioso Jazz Club

DJ Illvibe & Sartorius
Vincent von Schlippenbach (turntables) & Julian Sartorius (dr, perc)

Der Berliner Produzent und Turntablist DJ Illvibe aka Vincent von Schlippenbach, bekannt für seine meisterhafte Manipulation von Vinyl und sein Gespür für urbane Sounds, trifft auf den Berner Schlagzeuger und Klangforscher Julian Sartorius, der Klangräume aus Alltagsgeräuschen und präparierten Instrumenten erschafft. Diese Begegnung zweier Meister der experimentellen Klangkunst entführt das Publikum in die Welt der freigeistigen Musik.

Mit Vinyl, Plattenspielern, Drums und diversen Klanginstrumenten erschaffen sie fesselnde Klanglandschaften, die organische Rhythmen und elektronische Texturen miteinander verweben. Jede Show wird zu einem besonderen Erlebnis, bei dem Spontaneität und Kreativität im Mittelpunkt stehen. Zwischen knisterndem Vinyl, fesselnden Beats und unerwarteten Texturen loten die beiden Klangpioniere Grenzen aus und überraschen mit immer neuen Ideen.

Türe 20 Uhr  |  Programm 20:30 Uhr

Dienstag, 20. Januar 2026

Misterioso Jazz Club am Stummfilmfestival im Filmpodium

Salt for Svanetia
Mikhail Kalatozov (UdSSR 1930, 62 min)

Don Malfon-Stoffner-Trilla
Don Malfon (as), Flo Stoffner (g) & Vasco Trilla (dr)

«In Oberswanetien lebt die Bevölkerung von der Schafzucht und der Arbeit im Steinbruch. Aufgrund der Witterung sind die Menschen grosse Teile des Jahres von der Aussenwelt abgeschnitten. Einflüsse der Moderne sind bislang kaum bis dorthin vorgedrungen; alte Traditionen und Überlieferungen prägen das Zusammenleben. Die Beschaffung des für Menschen wie Tiere lebenswichtigen Salzes war bislang eine gefährliche Angelegenheit; ein Strassenbauprojekt soll das nun ändern.» (filmdienst.de)

Vertont wird dieser bildgewaltige Film von zwei Katalanen, dem Saxofonisten Don Malfon und dem Schlagzeuger Vasco Trilla, sowie dem Zürcher Gitarristen Flo Stoffner, die zu den kreativsten und prominentesten Exponenten der europäischen freien Improvisation zählen. Seit wenigen Jahren ein Trio, bedienen sich Malfon, Stoffner und Trilla ständig wechselnder, überraschender Klänge aus einem scheinbar unerschöpflichen Repertoire an Ideen. Ihre Musik ist abwechslungsreich, überraschend und wach und wirkt trotzdem, als würden sie schon seit Jahrzehnten zusammenspielen.

Der Anlass findet in Zusammenarbeit mit dem Stummfilmfestival Zürich, einer Koproduktion von Filmpodium und IOIC – Institute of Incoherent Cinematography statt. Vorverkauf via filmpodium.ch

Türe 20:30 Uhr  |  Programm 20:45 Uhr

Dienstag, 13. Januar 2026

Misterioso Jazz Club am Stummfilmfestival im Filmpodium

Soul of the Cypress
Dudley Murphy (US 1920, 9 min)

Danse Macabre
Dudley Murphy (US 1922, 7 min)

Rapsodia satanica
Nino Oxilia (IT 1917, 45 min)

Sopraterrra
Magda Drozd (Violine, Elektronik) & Nicola Genovese (Altsaxophon, Elektronik)

Die greise Aristokratin Alba d’Oltrevita sehnt sich nach ihrer verlorenen Jugend und schliesst einen Pakt mit dem Teufel: Wenn sie auf die Liebe verzichtet, erhält sie von Mephisto ewige Schönheit. Zwei Brüder umwerben Alba. Den leidenschaftlichen Sergio weist sie verächtlich zurück, sie will Tristano, Sergios Bruder. Die Tragödie nimmt ihren Lauf, als Sergio sich erschiesst und Alba das erste Mal wieder Reue und Liebe verspürt. Sie ist bereit, dafür Vergänglichkeit anzunehmen. Verschleiert als Braut Tristanos, geht Alba tanzend dem Tod entgegen.

Im Vorprogramm zeigen wir zwei kurze Filme des amerikanischen Regisseurs Dudley Murphy. In «Soul of the Cypress», einer Variation des Orpheus-Mythos, verliebt sich der Protagonist in eine Waldnymphe, deren Seele in einem alten Baum wohnt, und stürzt sich ins Meer, um unsterblich zu werden und die Ewigkeit mit ihr zu verbringen. In der visuellen Symphonie «Danse Macabre» versuchen die Jugend (gespielt vom Balletttänzer Adolph Blom) und die Liebe (Ruth Page) dem Tod (Olin Howland) während der Pest in Spanien zu entkommen.

Vertont werden die Filme von Sopraterra, dem Duo der Violinistin Magda Drozd und des Saxofonisten Nicola Genovese. Die zwischen Ambient und Drone oszillierenden, melancholischen Kompositionen von Sopraterra weisen vielfältige Anklänge an Post-Rock, Shoegaze, Psychedelic sowie an die spätmittelalterliche Ars Nova oder barocke Kammermusik auf. Das beinahe musik-archäologisch anmutenden Bandprojekt zeigt, dass solche klanglichen Erkundungen zu überraschenden und berührenden Entdeckungen führen können.

Der Anlass findet in Zusammenarbeit mit dem Stummfilmfestival Zürich, einer Koproduktion von Filmpodium und IOIC – Institute of Incoherent Cinematography statt. Vorverkauf via filmpodium.ch

Türe 20:30 Uhr  |  Programm 20:45 Uhr

Dienstag, 6. Januar 2026

Misterioso Jazz Club am Januarloch Festival
Ouvertüre zur kulturellen Regeneration

In Zusammenarbeit mit dem Schönegg-Varieté
Schöneggstrasse 5  |  bei K3000 klingeln

Aya Metwalli
Aya Metwalli (elec, voc)

Die ägyptische Sängerin und Live-Elektronikerin versteht sich besonders auf den mikrotonalen arabischen Maqam-Gesang. Mit analogen Synthesizern erzeugt sie düstere Texturen und seltsame, beunruhigende Klanglandschaften, die die Ankunft eines Sensenmannes ankündigen, der niemals kommt.

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Khorkhordina-Wong
Carina Khorkhordina (tr) & Eric Wong (elec)

Mit zahlreichen kleinen Lautsprechern, minimalen Klängen und Bewegungen bespielen die Trompeterin Carina Khorkhordina und der Elektroniker Eric Wong konkrete Räume, indem sie die spezifische Akustik verschiedener Ecken des Raumes für ihre Klangpalette nutzen.

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The Submarine Eye
Winthrop Kelley (US 1917, 48 min)

Dadaglobal
David Daniel (elec, p)

Ein armer, aber genialer Erfinder entdeckt mit Hilfe eines speziellen umgekehrten Periskops, durch das er den Meeresgrund sehen kann, einen verborgenen Schatz. Der dritte Film der Submarine Film Corporation greift auf die Fantasie von Jules Verne und die Konventionen klassischer Abenteuerfilme zurück und spiegelt die Faszination früher Filmemacher für die Tiefen des Meeres wider.

Vertont wird der Film von Dadaglobal, der von der klassischen Musik kommend heute eine feste Grösse der experimentellen Elektronik-Szene ist, und für den sich traditionelle Orgel- und Klavierklänge und moderne elektronische Beats keineswegs gegenseitig ausschliessen.

Türe 20 Uhr  |  Programm 20:30 Uhr